Alles auf Chromium?

Microsoft wird eine eigene Engine für den Edge-Browser aufgeben, der den Interne Explorer ersetzen sollte. Künftig wolle man bei Micorsoft für Edge Chromium verwenden, eine Open-Source-Engine aus der Google-Welt, die auch Basis für Googles marktführenden Chrome-Browser ist. Das hat zu einige Reaktionen geführt.

Die Entscheidung von Microsoft wurde auch von der Mozilla-Stiftung in einem Blogbeitrag kommentiert. Mozilla ist Entwickler und Herausgeber des Firefox-Browsers. Ein Microsoft-Projektmanager empfahl der Mozilla-Stiftung, auch auf Chromium zu setzen.

Sinngemäß hieß im Dezember im besagten Blogbeitrag auf mozilla.org, die Entscheidung, die Microsoft getroffen hat, sei unter geschäftspolitischen Gesichtspunkten zwar nachvollziehbar, doch man sorge dafür, dass Google noch mehr Informationen über das Suchverhalten und die Internetnutzung der User erhält als es ohnehin schon der Fall sei. Mozilla nutzt die Gecko-Engine für den Browser.

Noch mehr Nutzerdaten für Google

Die Entgegnung ließ etwas auf sich warten. Diese Tage kam eine Antwort aus Richmond, wie der Standard unter Berufung auf Winfuture berichtet, und zwar von einem Microsoft-Projektmanager, der Mozilla via Twitter vorwarf, angesichts der niedrigen Nutzungsrate von Gecko und Firefox ein „philosophisches Paralleluniversum“ zu bauen. Man solle doch aus dem Elfenbeinturm herabsteigen und bei Mozilla auch Chromium nutzen, damit sich alle Browserhersteller auf einen Quasi-Standard einigen.

Bei diesem Tweet blieb es nicht. Natürlich hat das Wellen ausgelöst. Die Vertreter der Gegenposition berufen sich auf das Web als offene Plattform, das von Diversität lebe. Mit gleicher Argumentation könne man allen CMS-Entwicklern empfehlen, nur noch an WordPress-Projekten mitzuarbeiten oder Online-Händlern raten, den eigenen Shop aufzugeben und statt dessen alles über den Amazon Marketplace abzuwickeln, so der Tenor in diversen Tweets zum Thema.

Was bedroht das offene Web mehr: Eine Rendering-Engine oder native Apps?

Auchenberg sieht das Web eher von nativen Apps bedroht, nicht von einer Browser-Engine, die das Rendering von Webdokumenten übernimmt. Spezifikationen gemeinsam zu verabschieden sei da nicht mehr genug. Die Kollaboration müsse weiter gehen als das. Eine Rendering-Engine zu pflegen sei komplex und teuer, selbst für Microsofts oder Googles Verhältnisse.

Abhängigkeit von Google

Die Mozilla-Stiftung hat den Schritt von Microsoft sicher zum Anlass nehmen wollen, um die Wichtigkeit eines eigenen, unabhängigen Browsers zu unterstreichen. Die Organisation sieht sich als Hüter des offenen Webs und möchte das Internet „gesund halten“, wie es in der Eigendarstellung heißt.

Im aktuellen Finanzbericht spricht die Stiftung, die nach eigenen Angaben weltweit 1.000 Vollzeitangestellte unter Vertrag hat, von Einnahmen um 542 Millionen US-Dollar aus „Royalties“. Darunter sind Einnahmen zu verstehen, die Mozilla bekommt, weil eine bestimmte Suchmaschine im Firefox-Browser voreingestellt ist. Dies ist regional unterschiedlich, in China wird zum Beispiel Baidu voreingestellt. In den meiosten Regionen, in denen Firefox verteilt wird, ist dies jedoch Google.

Also: Auch Mozilla ist nicht so unabhängig von Google wie es vielleicht den Anschein haben mag und trägt aktiv mit zum Erfolg des Suchmaschinenriesen bei. Ein Deal mit Yahoo! wurde 2017 beendet, Rechtssteitigkeiten folgten.

Statistik: Marktanteile der führenden Browserfamilien an der Internetnutzung weltweit von Januar 2009 bis November 2018 | Statista

Quelle: Statista

In letzter Zeit hat Firefox durch Neuentwicklungen von sich reden gemacht. „Quantum“ heißt das Projekt, das Firefox Vorsprünge gegenüber der Konkurrenz, vor allem Chrome bringen sollte. Dennoch gelingt es offenbar nicht, die Vorherrschaft von Chrome zu brechen. In unabhängigen Erhebungen kommen Analysten auf um die zehn Prozent Marktanteil für Firefox.

Publiziert am 30. Januar 2019 von goneoblog.de

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